Warning: session_start(): Cannot start session when headers already sent in /www/htdocs/w008ff60/php/auth.php on line 198
CD des JVH: Brahms-Requiem

J. Brahms: Ein deutsches Requiem

CD des Jungen Vokalensembles

Die CD ist im Handel nicht frei erhältlich. Sie kann unter cds@vokalensemble-hannover.de bestellt werden.

Ausführende

Junges Vokalensemble Hannover, Leitung: Klaus-Jürgen Etzold

Junges Philharmonisches Orchester Niedersachsen

SopranLeonore von Falkenhausen
BaritonShigeo Ishino

Live-Mitschnitt in der Markuskirche Hannover, Aufnahme und Schnitt: Ingmar Haas

Mit Ein deutsches Requiem schrieb Johannes Brahms nicht nur ein Glanzstück der romantischen Chorliteratur, es dürfte vielmehr das einzige der im 19. Jahrhundert zahlreich entstandenen Werke für Soli, Chor und Orchester sein, das sich bis heute einer ungebrochenen Aufführungstradition rühmen kann. Zugleich trat der gerade 35-jährige Komponist 1868 mit der Uraufführung der vorläufigen 6-sätzigen Fassung im Bremer Dom endgültig in das Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Inhalt

Zum Entstehungskontext

Zwar war Brahms, als er 1861 mit der Konzeption des Requiems begann, bereits ein erfolgreicher Pianist und Komponist, doch hatte er noch kein exponiertes musikalisches Amt bekleidet. Letzteres war in einer Musikkultur, in der seit den 1820er Jahren die Gesangsvereine und Liedertafeln wie Pilze aus dem Boden geschossen waren und nun in voller Blüte standen, zur musikalisch-gesellschaftlichen Etablierung nahezu unabdingbar. Nicht umsonst hatte die Komposition von Oratorien durch Louis Spohr und Felix Mendelssohn Bartholdy für die großangelegten Musikfeste in Thüringen, am Niederrhein oder Birmingham deren Karrieren maßgeblich befördert, und die heute nahezu vergessenen Männerchor- bzw. Oratorienkomponisten Franz Abt und Friedrich Schneider waren Stars auf dem musikalischen Parkett. Insofern war die Gelegenheit zur Leitung der Wiener Singakademie von 1863 bis 1864 für Brahms sehr bedeutsam, zumal er dort seine noch ungenügende Erfahrung im Umgang mit Chor und Orchester kompensieren konnte - zugleich bildete diese Tätigkeit den Ausgangspunkt zur verstärkten Komposition von Werken für Chor und Orchester. Neben dem Requiem entstanden Rinaldo, ab 1869 in zeitlich dichter Folge die Alt-Rhapsodie, das Schicksalslied und das Triumphlied.

Der intensiven kompositorischen Ausarbeitung des Requiems widmete sich Brahms ab April 1865, wohl mit bedingt durch die unmittelbare zeitliche Nähe des Todes seiner Mutter im Februar des Jahres. Darüber hinaus dürfte dieser Umstand auch mit dazu beigetragen haben, dass Brahms, als er im Sommer 1866 sechs von insgesamt sieben geplanten Sätzen vollendet hatte, mit der Ausarbeitung des noch ausstehenden Satzes Nr. 5 "Ihr habt nun Traurigkeit" zögerte, da dieser unmittelbar den textlichen Bezug zur Mutter herstellt. Brahms stellte diesen Satz erst im Mai 1868 fertig. Die Uraufführung des vollständigen Werkes fand am 18. Februar 1869 in Leipzig statt. Obgleich das Werk damals sofort erfolgreich aufgenommen wurde, wirft es bis heute verschiedene Fragen auf.

Requiem oder Oratorium?

Brahms' Requiem ist ein Werk, das merkwürdig zwischen verschiedenen Gattungen steht. Der Komponist vertonte weder den üblichen lateinischen Text der katholischen Totenmesse, noch entsprechen die gewählten Bibelverse in ihrer Zusammenstellung deren Intention. Denn während im katholischen Ritus die Bitte um die Erlösung für den Verstorbenen im Mittelpunkt steht, rücken bei Brahms die Lebenden, die Hinterbliebenen ins Zentrum der Betrachtung: Sie sind es, die "getröstet werden" sollen, da sie "Leid tragen". Und auch von ihrer musikalischen Disposition her weisen die einzelnen Sätze bei Brahms nur sehr eingeschränkt Analogien zur Gattungstradition des Requiems hinsichtlich Anordnung, Umfang und Typus auf, so dass es kaum möglich ist, einfach von einer originellen Ausfüllung der Gattung Requiem durch den Komponisten zu sprechen.

Ebenso entzieht sich das Werk einer Einordnung als Oratorium. Denn obgleich die von Brahms vertonten Bibelverse durchaus als lyrisch-betrachtendes Oratorienlibretto aufgefasst werden können, vermied der Komponist die für das Oratorium charakteristischen Satztypen Rezitativ und Arie ebenso wie deren übliche Personifizierung.

"Deutsch" oder/und evangelisch?

So ambivalent seine Stellung im System musikalischer Gattungen, so zwiespältig war auch die Rezeption des Werkes. Denn obgleich Ein deutsches Requiem heute als mustergültige protestantische Kirchenmusik gilt, fand die Komposition zu Lebzeiten des Komponisten zunächst eine andere Aufnahme: Sie traf direkt die national-religiösen Stimmungen der Reichsgründungszeit um 1870, in der man sich, wie es der Komponist Hermann Küster 1877 formulierte, aus diesem "Impuls" "wahre Nationalwerke" erwartete. So pries der Berliner Theologieprofessor Hugo Wilhelm Paul Kleinert das Werk bereits 1868, also noch im Jahr der Bremer Aufführung als "eine deutsche und evangelische That", während die Wiener Zeitung 1871 davon sprach, dass "der Frühlingsmorgen des Deutschen Reiches ein deutsches Requiem geboren [hatte]".

Eine derartige nationalistische Vereinnahmung des Stücks wurde durchaus auch von Brahms gefördert, der selbst ein fanatischer Patriot war. So brachte er das Requiem 1871 "Zum Andenken an die im Kampf Gefallenen" zur Aufführung, und zwar zusammen mit dem ersten Satz seines Triumphlieds, das ursprünglich den Untertitel "Auf den Sieg der deutschen Waffen" tragen sollte.

Der ausschlaggebende Grund für eine zunächst nicht primär kirchliche Rezeption lag aber im Werk selbst begründet. Da Brahms in seiner Textzusammenstellung jeden christologischen Bezug bewusst vermieden hatte, erschien dieses seinen Zeitgenossen nicht ohne weiteres als Kirchenmusik geeignet. So mussten bei der Uraufführung der zunächst sechssätzigen Fassung im Bremer Dom am Karfreitag 1868 Teile aus Händels Messias, "Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" und das "Halleluja", eingeschoben werden.

Zur Gestaltung

Brahms war ein intimer Kenner der Bibel, die er unabhängig von ihrer liturgischen Bedeutung als literarisches Werk verstand, so sprach er in Bezug auf die Bibel von seinen "ehrwürdigen Dichtern".

Doch trotz seiner Kenntnisse und entgegen einer weit verbreiteten Ansicht gestaltete er die Zusammenstellung der Verse im Requiem nicht unabhängig, sondern lehnte sich, wie der Göttinger Musikwissenschaftler Jürgen Heidrich herausfand, in Textauswahl und -anordnung deutlich an die 1847 bzw. 1861 entstandenen Oratorien Das Gedächtnis der Entschlafenen von Friedrich Wilhelm Markull und Die ewige Heimath von Hermann Küster an. Ebenso ließ sich Brahms - allerdings nur in Ansätzen - von deren musikalischer Gestaltung inspirieren. Auch der vielfach in der musikwissenschaftlichen Forschungsliteratur anzutreffende Verweis auf einen historischen Rekurs Brahms' auf protestantische Trauermusiken von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach wird dadurch deutlich abgeschwächt, zumal bislang unklar ist, welche dieser Werke der Komponist zum Zeitpunkt seiner eigenen Vertonung überhaupt kannte.

Hinsichtlich der Kompositionstechnik ist Brahms' Kenntnis historischer Vorbilder indes gesichert. Bereits in den 1850er Jahren betrieb er im Hause Schumanns in Düsseldorf intensive kontrapunktische Studien. Auch das Requiem gestaltete er durch zahlreiche kontrapunktische Techniken, als deren Höhepunkte die beiden Fugen der Sätze Nr. 3 und Nr. 6 gelten können. Ein weiterer Kunstgriff besteht in der motivischen Wiederaufnahme des ersten Satzes am Ende des Schlusssatzes, wodurch dem Werk zyklische Geschlossenheit verliehen wird. Letztere wurde innerhalb der einzelnen Sätze von Brahms ebenfalls erreicht, indem er eine bloß "motettische" Aneinanderreihung einzelner Textglieder vermied. Statt dessen gruppierte er den Text durch Umstellungen und Wiederholungen unter primär formalen Gesichtspunkten und sicherte dadurch, wie es der Musikwissenschaftler Friedhelm Krummacher formulierte, "der Musik ihren Freiraum".

Martin Loeser

Leonore von Falkenhausen

studierte Gesang bei Ingeborg Most in Freiburg und Margreet Honig in Amsterdam.

Eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland (u. a. Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, Polen und Jugoslawien) und Engagements bei verschiedenen namhaften Festivals sind nur eine Seite ihrer sängerischen Aktivitäten, denn auch der Oper gilt ihr Interesse.

So sang sie u. a. die Titelpartie in Die Kluge von Orff unter Kurt Masur mit dem Gewandhausorchester Leipzig und Zaide von Mozart beim Musikfest Bremen unter Thomas Hengelbrock mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Weitere Engagements führten sie an die Berliner Staatsoper Unter den Linden, zu den Bachtagen in Berlin sowie zu den Ludwigsburger und Schwetzinger Festspielen. Als Mozartsängerin in den Partien der Konstanze und Donna Anna feierte sie große Erfolge beim Opernfestival Alden-Biesen in Belgien und im Concertgebouw Amsterdam. Ihre Interpretation von Aribert Reimanns Oder soll es Tod bedeuten beim diesjährigen Eröffnungskonzert des Klassik Sommer Hamm fand großen Beifall.

Frau von Falkenhausen wirkte bei zahlreichen Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit.

Shigeo Ishino

wurde in Japan geboren. Er absolvierte ein Gesangsstudium in Tokio sowie Meisterklassen bei Irvin Gage. Er ist Mitglied des Internationalen Opernstudios in Zürich. Bei seiner Teilnahme an Wettbewerben gewann er 1992 den Kiwani-Musikpreis und wurde 1993 1. Preisträger beim Othmar Schoeck-Gesangswettbewerb in Luzern.

Er erhielt ein Engagement am Theater Basel (u. a. als Dandini in La Cenerentola, Stolzius in B. A. Zimmermanns Die Soldaten, Nardo in Mozarts La finta giardiniera sowie mit der Titelpartie in Tschaikowskys Eugen Onegin). Verschiedene Konzertgastspiele in Europa führten ihn u. a. nach Zürich, Lausanne, Genf, Hamburg und Frankreich.

Seit der Spielzeit 2001/02 ist er Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover, wo er unter anderem Rollen in Cages Europeras sowie den Allazim (Zaïde), Papageno (Die Zauberflöte) und Masetto (Don Giovanni) sang.

Junges Philharmonisches Orchester Niedersachsen e. V.

Die Liebe zur Musik, die Freude am gemeinsamen Musizieren und der Ehrgeiz, große sinfonische Werke auf die Bühne zu bringen das verbindet die Musiker des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachen (JPON). Seit der Gründung des Orchesters im Jahr 1989 finden sich die jungen Instrumentalisten regelmäßig zusammen, um gemeinsam bedeutende Werke des sinfonischen Repertoires zu erarbeiten und aufzuführen. Neben diesen sinfonischen Konzertprojekten realisiert das Orchester gemeinsam mit freien Chören, Stadt- und Kirchenkantoreien Konzerte mit Werken für Chor und Orchester.

Die Musiker des JPON, viele von ihnen Landes- und Bundespreisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert", sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Neben einer hervorragenden musikalischen Ausbildung verfügen sie über ausgeprägte Orchestererfahrung, unter anderem aus den Landesjugendorchestern, dem Bundesjugendorchester (BJO), der Jungen Deutschen Philharmonie und dem Schleswig-Holstein Musik Festival Orchester. Ein Großteil von ihnen studiert an deutschen Musikhochschulen.

Auch mit einem festen Engagement in einem Berufsorchester wie der Staatskapelle Dresden, den Bielefelder Philharmonikern, dem NDR-Sinfonieorchester und dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover wirken viele der Musiker weiter im Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen mit. Doch nicht alle Musiker des Orchesters streben eine Karriere als Berufsmusiker an. Einige stehen als Schüler noch vor der Berufswahl, andere haben sich in Studium und Beruf in eine andere Richtung orientiert.

Gerade dieser Zusammenschluss von Berufsmusikern, Musikstudenten und Laienmusikern macht den besonderen Charakter des JPON aus. Frei von der Routine eines professionellen Orchesters stehen im Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen Musikbegeisterung, Gemeinschaftsgeist und die hohe Motivation jedes Einzelnen im Vordergrund.

zurück zur CD-Übersicht